Theater: Realistische Darstellung berührt Schüler


„Ausgrenzung macht einsam“ – diese Erkenntnis ist nicht neu und doch im schulischen Kontext immer wieder relevant. Vor allem an den Übergängen, zum Beispiel in den neu gebildeten fünften und siebenten Klassen dreht sich für die Jugendlichen alles um die Frage, wie sie ihren Platz in der neuen Klasse finden. So war es kein Zufall, dass am Gymnasialen Schulzentrum Dömitz ausgerechnet diese beiden Stufen vor kurzem das Theaterstück „Mobbing“ erlebten.

Die beiden Schauspielerinnen Sabrina Hennings und Michaela Beer vom Weimarer Kulturexpress boten einen beeindruckenden Blick in das Spiel von Macht und Ohnmacht, verkörperten gekonnt zwei typische Charaktere in neuer Situation und die daraus folgende Entstehung von Ausgrenzung und Schikanierung. Neid und Eifersucht, aber auch das Verhältnis zu den Eltern gaben den Ausschlag für eine Spirale, die sich immer schneller zu drehen begann.

Nach der Vorstellung standen die beiden Schauspielerinnen für Fragen der Reuteraner zur Verfügung, informierten über Möglichkeiten, sich gegen Ausgrenzung zu wehren und das korrekte Verhalten, wenn man von Mobbing erfährt. „Die Botschaft der Schauspielerinnen war: Redet mit jemandem, wenn solche Probleme auftreten, denn meistens bekommt man sie nicht allein geklärt“, fasste Jens Fähnrich, Schulsozialarbeiter, nach der Aufführung zusammen. Er war als Gast dabei und zeigte sich beeindruckt, dass sich sogar Schüler gemeldet hätten, die eine ähnliche Situation schon selbst erlebten. Eine Siebtklässlerin resümierte: „Ich fand es erschreckend, wie viele Schüler mitgemacht haben, als sich Franziska über Laura lustig gemacht hat – selbst noch, als sie weinte.“ „Traurig, aber realistisch“, ergänzte eine andere.

Möglich wurde die gelungene Aufführung erneut durch das Engagement von Karin Koch, Jugendclub Neu Kaliß. Gemeinsam mit dem NKCC und dem Schulzentrum, unterstützt durch Mittel aus dem Bundesprogramm „Demokratie Leben“ holte sie das wichtige Thema auf die Bühne. Der Zeitpunkt am Beginn des Schuljahres erwies sich dabei als goldrichtig. (ttr)

Foto: Jens Fähnrich

Drogen? Nein danke!


Einen anderen, künstlerische Weg dieses tabuisierte Thema jungen Menschen näher zu bringen, ging das Improvisationstheater RequisSit.

Am 27. November wurde in der Aula für alle 9. Klassen des Schulzentrums eine Theatervorstellung der anderen Art, die von ehemaligen Drogenabhängigen inszeniert wurde, gegeben. Der Anfang gestaltete sich musikalisch. Die Schüler wurden durch Saxophon- und Keyboardklänge willkommen geheißen. Anfangs erklärten die Darsteller allen Teilnehmern das Vorgehen und den Rahmen des Theaters. Durch eine sehr aktive Einbindung des Publikums in das Theater wurde die Distanz zwischen den jungen Lernern und den Schauspielern überwunden und eine interessierte Atmosphäre geschaffen.

Im Anschluss hatten die Schüler die Möglichkeit in kleinen Gruppen mit den Amateurschauspielern zu reden und deren Werdegang kennenzulernen. Das Interessante dabei war, dass die Darsteller eine Suchtvergangenheit hatten und den jungen Menschen offen Rede und Antwort standen. Dabei gaben sie viel Persönliches preis, was die Lerner sehr beeindruckte.

Unser Fazit: Bitte wiederholen!

Es war sehr interessant, einen Einblick zu bekommen, wie sich diese Menschen damals fühlten, welche Folgen es hatte und wie sie aus diesem Teufelskreis entkommen konnten.

Text: Ann-Christin Borowsky. Luisa Riemer, Sofia Alkuzay (GY 9b)

Beeindruckende Aufführung in der Aula


Auf beeindruckende Weise gelang es dem Theaterensemble Radiks aus Berlin vor kurzem, am Schulzentrum Dömitz Themen wie Freundschaft und Fremdenfeindlichkeit, Respekt und Gewalt zu thematisieren. „Sie haben das wirklich gut rübergebracht und stark gespielt“, fand beispielsweise Achtklässlerin Jette Fanslau und auch ihre Mitschüler waren von der Leistung der Schauspieler schlichtweg begeistert.

Joscha (rechts) und Melek begegnen sich voller Vorurteile und Antipathie wieder. Mit ihrem ausdrucksstarken Spiel zogen die Darsteller die Schüler schnell in ihren Bann. | Fotos: Denise Hirte

Das Stück „Wir waren mal Freunde“ erzählt die Geschichte eines Jugendlichen, der in Verdacht gerät, ein in Bau befindliches Asylbewerberheim angezündet zu haben. In der anschließenden Aufarbeitung des Themas begegnet er einer muslimischen Mitschülerin, die er seit der Grundschule aus den Augen verloren hat. Das neuerliche Aufeinandertreffen ist zunächst von den gegensätzlichen Lebensentwürfen und beiderseitiger Ablehnung geprägt. In Rückblenden wird den Fragen nachgegangen, warum die Jugendlichen so unterschiedliche Vorstellungen von Ehre, Herkunft und sozialem Status haben, welche Wertvorstellungen sich daraus ergeben und wie sie damit umgehen.

„Ich fand die Message des Stücks gut“, urteilte Schülerin Madlen Brilz und führte aus, „es sind beide Seiten erklärt worden. Man konnte im Prinzip jeden verstehen.“ Eine Ansicht, die viele Schüler teilten, denn die Macher des Stücks gingen nicht mit erhobenem Zeigefinger durch die Reihen, sondern überließen den Schülern selbst, die Antwort auf die sich aufdrängenden Fragen zu finden. Genau an dieser Stelle setzte der zweite Baustein des Projekts ein: Eine gemeinsame Diskussionsrunde mit den Schauspielern, um dort weiter zu arbeiten, wo das Stück aufhört, selbst zu denken und zu urteilen ohne zu verurteilen.

„Das Stück hat gezeigt, dass man auch zusammenhalten kann und nicht alles ablehnen muss. Und schließlich, was Freundschaft eigentlich ausmacht“, resümierte Marlow Guhlhoff. So wie der Achtklässler fanden viele der Jugendlichen die Aufführung beeindruckend und gewinnbringend. Möglich wurde das Theater in der Aula indes nur durch eine enge Zusammenarbeit mit dem Jugendklub Neu Kaliß und dessen engagierter Leiterin Karin Koch, sowie dem Landkreis Ludwigslust-Parchim. Letzterer unterstützte den besonderen Auftritt des Ensembles im Rahmen des Projekts „Demokratie leben“ finanziell. (ttr)